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Buchrezension: Flesh Gothic (Edward Lee)

30 Jun

fleshgothic

Mittlerweile ist ja schon bekannt, dass Autoren wie Richard Laymon oder in diesem Fall auch Edward Lee, ihre Geschichte gerne Mal auf die sexuelle Basis beschränken und es zu ordentlichem Gemetzel kommt. So ist es auch bei ‚Flesh Gothic’. Ich bin ehrlich wenn ich sage, dass dies das erste Buch ist, das ich von Edward Lee gelesen habe – aber ich habe schon viel von ihm gehört. Wem solche Themen nicht gefallen, sollte diesen Blogpost nicht lesen und wieder ins quietschvergnügte, bunte Bällebad des Lebens zurückkehren.

Um das Buch am besten zu beschreiben, benutze ich am besten zwei Worte: Kranke Scheiße! Ich habe ja schon viel gelesen und bin auch nicht pingelig bei Thema wie Sex oder Gewalt in Büchern, aber dieses Buch hat mich echt an den Rand des Möglichen geführt. Auf der Rückseite des Buches stand geschrieben: „Himmel, woher hat Lee solche Ideen?“ und das habe ich mich zwischendurch immer wieder gefragt. Der Handlungsort und die verschiedenen Charaktere sind sicherlich keine Neuheiten in diesem Genre – nehmen wir allein mal das Horrorhaus, den Dämonologen mit technischem Spezialgerät oder die paranormale Wissenschaftssexbombe. Nein, das alles ist nichts Neues, aber die Umsetzung dieser brutalen Geschichte gleicht wirklich einer ‚literarischen Körperverletzung’ wie Laymon es selbst gesagt hat.

Wer jetzt aber denkt, dass wir rasant ins Geschehen geworfen werden, der liegt gründlich falsch. Bevor das Buch richtig an Fahrt aufnimmt, wird uns jeder einzelne Charakter ausgiebig vorgestellt und wir erhalten einen Einblick darin, wie die einzelnen Protagonisten ticken. Das kann ein Vorteil sowie ein Nachteil sein. Einige mögen es nicht, wenn ein Vorstellungsprozess zu lange dauert. Mich hat dieser Prozess allerdings keineswegs gelangweilt, weswegen ich diesen auch nicht kritisieren kann.

Im zweiten Abschnitt des Buches, geht es dann richtig los. Die paranormalen Ermittler befinden sich im Horrorhaus und machen sich auch ans Werk. Und bereits jetzt werden wir mit allerhand Abartigem und Perversionen jeglicher Art nahezu beworfen. Ich konnte einfach nicht anders: Ich musste weiterlesen. Denn entgegen vieler Meinungen ist es nicht nur verstörend und ekelig. Nein, Lee beweist ein grandioses Themenwissen zur Dämonologie und Mythologie und bringt dies auch regelmäßig mit ein. Hier steht nichts was sich einfach aus den Fingern gesogen wurde. Die Hintergründe und Erklärungen haben Hand und Fuß. Wir befinden uns inmitten eines großen (soziopathischen) Rätsels, das nun vom Team gelöst werden muss und wir ertappen uns dabei, wie wir innerlich selbst zum Ermittler werden. Dabei stoßen wir auf Probleme und überraschende Wendungen – und auf ein grandioses Finale.

Obwohl ich skeptisch war – und ich auch lange Zeit überlegt habe, ob ich es mir überhaupt zulegen soll – bin ich positiv überrascht. Dieses Buch ist nicht nur was für Leute mit ‚kranken Köpfchen’ sondern auch für jene, die kein Problem mit derben inhaltlichen und detaillierten Beschreibungen haben und bei einem Buch gerne mitraten. Oh ja das könnt ihr. Und ich wünsche euch viel Spaß dabei!

Insgesamt bekommt das Buch von mir 85%. Ein paar Seiten weniger hätten es zu Anfang sicherlich auch getan aber dennoch ist es ein solider Faden, der nicht einfach nur so aus der Luft gerissen wurde. Lee hat sich mit dem Thema beschäftigt und zeigt eine Menge Fachwissen, auch wenn die Ausdrucksweise für manche gewöhnungsbedürftig ist. Aber was haben wir denn sonst erwartet? In der Hölle reiten wir nun mal nicht mit einem Einhorn über Regenbögen!

 

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3 Kommentare

Verfasst von - Juni 30, 2013 in Bücher

 

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3 Antworten zu “Buchrezension: Flesh Gothic (Edward Lee)

  1. Cerid

    Juni 30, 2013 at 2:57 pm

    *Durchatmte* – Ich muss gestehen, dieses Buch habe ich von ihm nicht gelesen. Ich bin über „Bighead“ gestolpert und da ich mich ungern im Vorfeld von Kritikern beeinflussen lassen möchte, habe ich sie erst nach dem Lesen zum Vergleich zu meinen eigenen Gedanken durchwühlt. Allgemeine Stimmung war: Das extremste Buch, welches Edward Lee jemals geschrieben hat.

    Ich bin sicherlich auch ein Freund des direkten Wortes aber Edward Lee ist mir schlichtweg (zumindest in Bighead) zu sinnfrei. Es ging einzig und allein ums Schocken auf perversestem und niedrigstem Niveau. So leid es mir tut, das sagen zu müssen, denn Du weißt Sister 😉 , wir sind denkbar oft einer Meinung, aber ich empfinde, der Mann scheißt sich auf die Hand, schmiert es auf eine Leinwand und sucht dann Leute, die es Kunst nennen – nur der Einzigartigkeit wegen. Ich hab nichts gegen Underground Literatur und bin auch eher den Dingen zugetan, von denen der Mainstream noch nie etwas gehört hat, aber auch für mich hat es irgendwo Grenzen und die überschreitet Lee mit Riesenschritten… Wie gesagt, vein Rückschluß von dem Buch Bighead auf Lee, alles weitere kann ich nicht beurteilen…

     
    • reaperkitty

      Juni 30, 2013 at 6:41 pm

      Von „Bighead“ habe ich bis jetzt auch schon viel gehört und es soll tatsächlich eines der schlimmsten Werke von ihm sein. Kann ich leider auch nicht beurteilen, da ich es nicht gelesen habe 😉

      Was ich bei Flesh Gothic mag, ist der durchaus studierte Hintergrund und das Fachwissen, dass er teilt. Natürlich ist es schwere Kost was die Brutalität und die Perversionen angeht. Aber in diesem Buch hat es zueinander gepasst. Bighead werde ich noch lesen und dann mal schauen, Sister! 😉

      Btw: Wir müssen ja auch nicht immer einer Meinung sein *g*

       
      • Cerid

        Juni 30, 2013 at 7:03 pm

        Ja, das stimmt auch wieder 😉 Na, dann bin ich ja mal auf Deine Bighead Rezension gespannt, dann haben wir den direkten Vergleich 😉

         

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