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Buchrezension: Ich hab die Unschuld kotzen sehen (Dirk Bernemann)

17 Mai

Quelle; Amazon.de

 

– Vorweg – Das hier ist einzig und allein meine Meinung. Diese Rezension dient nicht dazu jemanden persönlich anzugreifen oder schlecht zu machen.

 

Aufgrund unseres Umzuges, habe ich ein Buch wiedergefunden, was ich schon vor einigen Jahren mehrfach verschlungen habe. Jetzt habe ich auch die Möglichkeit darüber eine Review zu verfassen. Dirk Bernemann’s Bücher wurden (und werden) häufig als Klassiker der ‚Schwarzen Szene’ abgetan, weil sich der Autor einer sehr radikalen und schonungslosen Ausdrucksweise bedient, die wohl besonders in diesen Reihen Anklang findet. Vielleicht ist es aber auch nur das Klischee, dass diese Vermutung aufkommen lässt. Wie dem auch sei – ob Schwarze Szene oder nicht: Ich mag das Buch und könnte es immer wieder lesen. Woran das liegt? Nun, ich bin ein Fan von sogenannten Tabuthemen und Ekelbüchern. Da bin ich ja bei Dirk Bernemann wunderbar aufgehoben! Worum aber geht es in ‚Ich habe die Unschuld kotzen sehen’?

 

 

„Ein durchgeknallter Junkie, der seine Freundin im Drogenrausch zu Tode prügelt, ein korupter Polizist, der einen Auftragskiller bezahlt, damit dieser seinen eigenen Vater aus dem Weg räumt, eine Nutte die sich vor einen fahrenden Zug wirft… Das alles und noch viele andere Geschichten sind Teil von Dirk Bernemanns Meisterwerk.“

 

© Maya Cheyenne „Forgotten Angel“ auf Amazon.de.

 

 

In diesem Buch ist nichts schön. Wir werden an die Abgründe unserer Gesellschaft geführt. Es handelt sich bei den Kurzgeschichten zwar um fiktive Geschichten über vereinzelte Protagonisten, die aber mitunter aneinander anknüpfen. Und so kommt man gar nicht drum herum – man muss weiterlesen! Meistens lesen wir von Gewalt, Tod, Sex und jeglicher Form von Drogen. Schonungslos gibt dabei meistens jemand den Löffel ab. Viele halten dies nicht für authentisch – ich jedoch denke, dass vieles hinter verschlossenen Türen genau so abgeht. Sicherlich jagt vielen auch der schonungslose Gedanke ‚verfickte Scheiße!’ durch den Kopf, wenn er gerade mit seinem Auto gegen ein anderes Auto prallt. Ich weiß es nicht, denn ich habe es ZUM GLÜCK noch nie erlebt und will es auch nie erleben.

 

MENSCHEN SIND TIERE und genauso schreibt Dirk Bernemann auch. Es soll schockieren bzw. provozieren und es soll uns durchaus bewusst machen, wie grausam die Welt da draußen sein kann und dass es durchaus Leute gibt, dessen Leben ein großer Haufen Scheiße ist. Ja, es ist brutal und manchmal auch sehr vulgär aber zeichnet das nicht mittlerweile viele Menschen aus? Was sehen wir denn beinahe täglich im deutschen Fernsehen, wenn wir gewisse Sender einschalten und kaputte Familien sehen? Es ist im Prinzip genau das gleiche – nur dass uns hier der Mensch direkt und bildlich vorgeführt wird. Er wird in die Kamera gehalten und die Leute vor der Mattscheibe lachen ihn aus. Dirk Bernemann zeigt uns ein Allgemeines (ja ich weiß, ziemlich brutal und schonungsloses) Bild der Gesellschaft und auf einmal lacht keiner mehr. Dafür sollte er keine Kritik erhalten sondern einen Preis, denn wer glaubt  dass vor seiner Haustür ‚Friede-Freude-Eierkuchen’ und heile Welt herrscht, der sollte selbst mal zum Arzt gehen oder öfters die Nachrichten mal einschalten.

 

 

Sicherlich gibt es noch andere Bücher, die ähnlich aufgebaut sind oder dessen Inhalt vom Grundprinzip her der Gleiche ist. Vielleicht gab es sogar Inspirationen – aber ich habe kein Vergleichsmaterial und kann mir also nur aufgrund dieses Buches eine Meinung bilden.

 

 

Ich drücke damit nicht aus, dass ich es gut finde was Menschen in ihrem Leben für Leichen begraben. Ich heiße Drogen in keiner Form gut und ich habe auch kein Verständnis für Menschen, die sich (wie in einer Kurzgeschichte beschrieben) mit Alkohol hinter das Steuer setzen oder jemanden umbringen aber es gibt diese gestörten und kranken Leute auf dieser Welt und davor sollten wir die Augen nicht verschließen.

 

Einziger Minuspunkt dieses Buches sind die Gedichte. Am Ende des Bandes erhalten wir noch ein paar Einblicke in ihre lyrische Kunst des Autor’s, der ich allerdings nicht viel abgewinnen kann. So sehr die Geschichten auf den Punkt getroffen sind, so sehr verwirren mich die Gedichte am Ende.

 

Wer kein Problem mit vulgärer Sprache und keine sensible Nerven hat, der sollte sich dieses Buch zulegen und wenigstens einmal durchlesen. Wenn es auch nicht gefällt – verkauft es doch einfach wieder. Bei mir steht es jedenfalls im Schrank und wird dort auch bleiben!

 

 

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3 Kommentare

Verfasst von - Mai 17, 2013 in Bücher

 

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3 Antworten zu “Buchrezension: Ich hab die Unschuld kotzen sehen (Dirk Bernemann)

  1. giftmischerin86

    Juni 2, 2013 at 2:15 pm

    Hallo,
    klingt ja so als müsst ich bald mal in einen Bücherladen 🙂
    Liebe Grüße
    Claudia

     
  2. reaperkitty

    Juni 2, 2013 at 8:24 pm

    Ich finde, jeder sollte das Buch im Schrank haben 😉 Mich würden andere Meinungen darüber auch sehr interessieren =)

    Liebe Grüße
    Kitty

     
  3. Cerid

    Juni 22, 2013 at 9:17 pm

    Ich liebe Dirk Bernemann, ebenfalls sehr zu empfehlen ‚Ich habe die Unschuld kotzen sehen 2 & 3´ und sehr schön auch die Kurzgeschichtensammlung ´Fickt Euch Alle´, in dem er unter anderem ebenfalls mit einer Geschichte vertreten ist.

    Das Problem bei diesen Geschichtensammlungen ist nur – man stößt auf andere Autoren mit ähnlich krassem Wortschatz und der unglaublichen Begabung, diesen zu nutzen ohne dass es sich anhört, als würde Dich ein Vollassi in der U-Bahn anpöbeln. Daher kann ich aus ´Fickt Euch Alle`noch Stefan Kalbers empfehlen, der nicht nur in der Sammlung sondern auch in seinem Buch ´Flecken`seine Wortgewandtheit unter Beweis stellt und teilweise wirklich auf die ein oder andere extreme Art den Mensch, die Gesellschaft und alles darüber hinaus in Frage stellt und bewertet.

     

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